Mittelalter

28. Mai 2008

Mittelalterliche Lehre

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Prof. Dr. Cordula Nolte

Dr. Jan Ulrich Büttner

Benjamin Weidemann

 

Sekretariat: Dietlind Heckelen

weitere Informationen: www.mittelalter.uni-bremen.de

Geschichte des Mittelalters

Der traditionellen Definition nach erstreckt sich das „Mittelalter“ zwischen 500 und 1500 n. Chr. Diese sehr schematisierten Zahlen zeigen schon, daß es sich dabei um eine chronologische Eselsbrücke handelt. Weniger präzise aber zutreffender kann die Epoche eingegrenzt werden als die Zeit zwischen der Antike und der Neuzeit in Europa. Die Übergänge zu den Epochen sind jeweils fließend. Beginn und Ende können je nach Betrachtungsweise mit verschiedenen, jeweils auch wieder eher symbolischen Jahreszahlen und Ereignissen markiert werden. Als Beginn kann z. B. sowohl das Ende des Weströmischen Reiches 476 oder die Kaiserkrönung Karls des Großen 800 herangezogen werden, für das Ende werden gerne die Entdeckung Amerikas 1492 oder die Anfänge der Reformation 1517/21 namhaft gemacht. Berücksichtigt werden müssen zudem große regionale Unterschiede. Die gängige Binnengliederung dieses langen Zeitraumes ist ebenso wenig naheliegend und so ist es nur eine Konvention der deutschsprachigen Forschung, die Epoche in frühes, hohes und spätes Mittelalter einzuteilen. Diese Aufteilung ist aus der mitteleuropäischen Perspektive heraus entstanden. Die englische, französische oder skandinavische Forschung gliedert den Zeitraum jeweils anders.

Seinem Untersuchungsgegenstand nach ist das Forschungs- und Lehrfeld der mittelalterlichen Geschichte gesamteuropäisch und interdisziplinär. Trotz aller Schwierigkeiten der Definition ist es unstrittig, daß das Mittelalter ein ganz eigenes Gepräge hatte, das vielschichtig war und sich im Laufe der Jahrhunderte wandelte. Der populäre Blick auf die Zeit ist noch immer geprägt durch aufklärerische und bürgerliche Fehlurteile einerseits und romantische Verklärung andererseits, denn das Mittelalter war weder finster noch rückständig noch bigott, noch die Zeit edler Helden und gerechter Könige, um nur einige Beispiele zu nennen. Es ist viel eher der Zeitraum, in dem Vieles vorgeprägt wurde, was unsere Zeit und Umwelt nach wie vor bestimmt: Stadtgrundrisse, Kirchen, Burgen, Orts-, Flur- und Personennamen, Feste oder Redewendungen stammen öfter, als uns bewußt ist, aus dem Mittelalter. Städte und Institutionen (Universitäten, Kirche) wurden gegründet, die europäischen Monarchien entstanden, der deutsche Föderalismus erklärt sich aus der Struktur des Alten Reiches. Die Kenntnis der Epoche macht viele jüngere Entwicklungen leichter verständlich.
Dennoch soll diese Nähe zum Mittelalter nicht bedeuten, daß es sich nicht grundlegend von unserer Gegenwart unterscheidet. Sämtliche Gegebenheiten des Alltages waren verschieden: Herrschaftsverhältnisse, Religiosität, Umwelt, das Denken der Menschen, der gesellschaftliche Rahmen, in dem sie lebten. Das Studium lehrt, daß trotz aller Vertrautheit nicht das vermeintlich Eigene gesucht, sondern das Fremde erkannt werden muß. Das Mittelalter bietet weniger einen Spiegel für die Neuzeit, als die Möglichkeit des Vergleichs. Seine Erforschung übt den Umgang mit fremden Kulturen und Mentalitäten.

In Bremen Mittelalterliche Geschichte zu studieren, heißt zuerst einmal, an einem Ort zu lernen, der weit mehr als auf den ersten Blick ersichtlich Mittelalterliches zu bieten hat. Es sind nicht nur die Kirchen der Altstadt, das Rathaus und der Roland, die sichtbare Zeugen für die 1200jährige Geschichte der Stadt sind. Viel eher ist es ihr Selbstverständnis als freie Stadt, das sie seit jeher auf ihren Gründer Karl den Großen zurückführt. In Bremen sind u.a. mit der Lebensbeschreibung des Heiligen Ansgar (um 870) oder der Chronik Adams (1070er Jahre) einige wichtige Werke entstanden, die für die Kenntnis ihrer Zeit weit überregionale Bedeutung haben. Gleichzeitig ist Bremen ein gutes Beispiel für die Ausbreitung der mittelalterlichen Welt jenseits der Grenzen des Römischen Imperiums, der Entstehung neuer Zentren und der Verlagerung des räumlichen Schwerpunktes vom Mittelmeerraum nach nördlich der Alpen.

Am Institut für Geschichte kann die Geschichte des Mittelalters schwerpunktmäßig als Haupt- wie als Nebenfach studiert werden. In der Lehre wird die gesamte zeitliche Ausdehnung des Mittelalters angeboten. Im Zentrum stehen kultur- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen, darüber hinaus wird mit weiteren aktuellen Forschungsansätzen bekannt gemacht. Ein besonderes Gewicht bilden interdisziplinäre Sichtweisen und die Erarbeitung von historischen Gegenständen unter Einbeziehung der Nachbardisziplinen. Exemplarisch ausgewählte Themen führen in Methoden und Theorien sowie die wissenschaftlichen Arbeitsweisen der Mittelalterlichen Geschichte ein. Vermittelt werden die Fähigkeiten, wie mit mittelaltertypischen Quellen der Text- und Sachüberlieferung umzugehen ist und welche einschlägigen Hilfs- und Arbeitsmittel dabei zu nutzen sind. Während die Nachbardisziplinen, wie die Philologien, die Theologie, die Philosophie etc. Vieles zu historischen Erkenntnissen beitragen, sind die Historischen Hilfswissenschaften das alltägliche Rüstzeug bei der Arbeit des Historikers. Dazu gehört die Fähigkeit, Schriften zu entziffern oder Daten zu entschlüsseln. Spezifisch mittelalterliche Quellen wie z. B. Wappen, Siegel oder Urkunden werden durch sie erschlossen. Grundlegende Kenntnisse sind daher unerläßlich und werden eingeübt.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Cordula Nolte erforscht derzeit schwerpunktmäßig Fragestellungen der Dis/ability History und der Körpergeschichte. Aus diesem Arbeitsfeld werden immer wieder Lehrveranstaltungen im Grund- und Hauptstudium angeboten, die den Studierenden die Möglichkeit geben, an aktueller Forschung teilzuhaben.

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